Ausgehend von steigenden Grundstückspreisen, Baukosten und Zinsen stehen zukunftsweisende Mehrgenerationen Wohnprojekte wie die WiGe in Radolfzell zunehmend unter Druck. Der von der Vorsitzenden des WIR e.V., Dr. Ingrid Kandler, eingangs gestellten Frage, wie solche Projekte auch künftig bezahlbar realisiert werden können, gingen vier Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach. Ulf Millauer (Fachbereichsleiter Nachhaltige Stadtplanung) sprach ein Grußwort und verwies auf das Handlungsprogramm „Wohnen in Radolfzell“. Dort ist der Geschosswohnungsbau und ein schonenderer Flächenverbrauch Programm. Der neue „Bauturbo“ soll genutzt werden, um schneller Projekte umsetzen zu können.

Die rund 60 Besucher bekamen Einblicke vom Architekten der Gebäude der WiGe, Tobias Müller (mmp architekten). Er schilderte den intensiven Planungsprozess, bei dem die Baugruppe sehr viel Engagement in eine detaillierte und individuelle Planung der einzelnen Wohnungen investierte. Weiter konnten z.B. durch ein durchdachtes Mobilitätskonzept die Stellplätze und damit Kosten der Tiefgarage verringert werden. Vor allem das aktive Mitgestalten der Baugruppe WiGe in ehrenamtlicher Arbeit während des Baus aber auch hinterher bei der Verwaltung und Pflege der Gebäude führt zu Kosteneinsparungen.

Einen anderen Ansatz zur Kostendämpfung erläuterte Oliver Fischer (Hoffnungsträger mit Herz und Hand Projektentwickler GmbH) mit seriellen Baukonzepten am Beispiel der Hoffnungshäuser. Hier werden Häuser in Holzbauweise mit einheitlichen Grundrissen und einfacher Ausstattung vorwiegend als Sozialwohnungen errichtet. Dabei achtet das Tochterunternehmen einer gemeinnützigen Stiftung darauf, dass gleichzeitig ein menschenzugewandtes Bauen erfolgt, indem z.B. wellige Balkonverläufe den Kontakt der Menschen auf einer Etage und zwischen den Stockwerken erleichtert oder die gemischte Zusammensetzung der Bewohner (alt und jung, geflüchtete und einheimische Menschen) das Lernen vom anderen ermöglicht.

Eine noch stärkere Effizienz beim Bauen zeigte der Ansatz, den Achim Maier (Goldbeck Süd GmbH) am Beispiel eines Projekts der Wohnbaugesellschaft Villingen-Schwenningen vorstellte. Hier konnte durch System-bauweise, d.h. industriell vorgefertigter einheitlicher Bauteile sowie u.a. Ersetzen einer teuren Tiefgarage durch ein um zwei Drittel billigeres Parkhaus und die Erschließung von drei Gebäuden mit nur zwei Treppenhäusern Sozialwohnungen innerhalb von 24 Monaten zum Quadratmeterpreis von unter 3.500 € (ohne Grundstück) schlüsselfertig gebaut werden.

Aus Sicht der Forschung gab Nicole Conrad von der HTWG Konstanz, Fachgebiet Energieeffizientes Bauen, einen Einblick, wie durch die Umkehrung des Planungsprozesses beim Modellprojekt Jüngerhalde West in Konstanz erst nach der Detailplanung der Bebauungsplan aufgestellt wird und in einem ausführlichen Verfahren eine Reihe von Sparpotentialen entwickelt wurden. Wie bei ihren beiden Vorrednern waren dies u.a. das Parkhaus statt der Tiefgarage und das serielle Bauen. Ein solch hoher Diskussionsaufwand unter den Beteiligten ist allerdings nur in einem Forschungsvorhaben möglich und kann wohl nicht eins zu eins in die Praxis übertragen werden.

Ralph Schiel (Werteagentur Naturblau), der die Veranstaltung moderierte, gab den Teilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen (Wirtschaft, Kommune und Politik, Baugruppen, Architekten) die Möglichkeit, die Themen in kleinen Gruppen mit den Referenten zu vertiefen. Als Resümee hielt er am Ende der Veranstaltung fest, dass die Frage, wie Preiswertes Bauen ermöglicht werden kann, auf ein sehr breites Interesse gestoßen ist und der Austausch unter den Akteuren auch in Zukunft sehr wichtig bleiben wird.

Nachbarschaftstreff Nordstadt wurde gut angenommen: nächster Termin 31.5.2026 von 15 - 17 h (Leonhard-Oesterle-Str. 1)

Zwischen 30 - 50 Besucher sind regelmäßig bei den Sonntags-Treffen, um bei Tee, Kaffee und Kuchen Gespräche zu führen. Kurze Beiträge ockern das Programm auf. Im Februar haben wir uns mit der Geschichte der Straßennamen im Quartier um die WiGe beschäftigt, im März ging es um den "Frühling", im April um die "Vögel im Quartier". Am 31.5. 2026 wird Gaby Fezer von ihrer "Radreise von Radolfzell nach Istres" berichten. 
Weitere Termine: 31.5/28.6./26.7./27.9./25.10./29.11.2026 

Bei der Mitgliederversammlung war Frau Augenstein, Referatsleiterin für nachhaltige Stadtentwicklung und Mobilität zu Gast und berichtete über wichtige städische Projekte. 

Der WiR e.V. startete am Sonntag 31.08.2025, 15.00-17:30 Uhr mit dem Nachbarschaft-Treff Nordtstadt im Gemeinschaftsraun der WiGe, Leonhard-Oesterle-Str. 1 in Radolfzell. Weitere Termine fanden am 28. September, 26. Okt. und 14. Dez. 2025 und 25. Jan. 2026 statt.
Es gab Raum für Gespräche für Jung und Alt und natürlich eine Tasse Kaffee oder Tee und ein Stück frischgebackenen Kuchen.
Außerdem wurde der Nachbarschafts-Treff Nordstadt hin und wieder ergänzt mit kleinen Lesungen oder musikalischen Darbietungen.

Die bisherige Resonanz war hervorragend. 

 

16.11.2024: Präsentation von WiR e.V. auf der Ehrenamtsmesse im Milchwerk Radolfzell.